Branchenübergreifend mit allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten

05. November 2018 Alle Artikel, Die APK in den Medien

Interview mit Dr. Thorsten Leopold, Leiter der Internationalen Verpackungsentwicklung für Home Care-Produkte bei Henkel

Plastik vermeiden, reduzieren, wiederverwerten – kaum ein Thema wird derzeit intensiver diskutiert als das Thema Kunststoff. Auch für Henkel spielt das Thema eine zentrale Rolle. Dr. Thorsten Leopold, Leiter der Internationalen Verpackungsentwicklung für Home Care-Produkte bei Henkel, ist am 21./22. November Sprecher auf der Netzwerkveranstaltung „Packaging360°“, die von der Lebensmittel Zeitung und den dfv-Verpackungsmedien ausgerichtet wird.

Wir sprachen im Vorfeld der Veranstaltung über Themen, die sicher auch Bestandteil seines Vortrages sein werden.

Annähernd 18 Mio. Tonnen Verpackungsmüll fallen in Deutschland im Jahr an. Welchen Beitrag leistet Henkel, um die Umweltbelastung zu reduzieren?

Einen ganz wesentlichen! Wir arbeiten seit vielen Jahren an der Recyclingfähigkeit unserer eigenen Verpackungen und dem Einsatz von Rezyklat – mit dem Anspruch, immer nachhaltigere Verpackungslösungen zu entwickeln. Wir haben gerade neue Ziele für unsere nachhaltige Verpackungsstrategie kommuniziert: Bis zum Jahr 2025 sollen 100 Prozent unserer Verpackungen recyclebar, wiederverwendbar oder kompostierbar sein. Im selben Zeitraum soll der Anteil von recyceltem Plastik unseren Verpackungen für Konsumentenprodukte in Europa bei 35 Prozent liegen.

Was leitet sich daraus für die Verpackungsgestaltung ab?

Zukünftig kommt es vor allem auf intelligente Verpackungsdesigns an, die so wenig Material wie möglich benötigen, möglichst nachhaltige Rohstoffe beinhalten und von Anfang an eine Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Daher arbeiten wir daran, einen höheren Anteil an nachhaltigen Materialien in unseren Produktverpackungen einzusetzen – sowohl bezogen auf recycelte Materialien als auch auf Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Papier und Karton. Außerdem möchten wir durch ein recyclingfreundliches Verpackungsdesign sicherstellen, dass unsere Produktverpackungen nach der Nutzung recycelt werden können.

Hat der Einsatz von Recyclingmaterialien Einfluss auf Funktion und Aussehen einer Verpackung?

Unsere Verpackungen müssen das Produkt nicht nur schützen, sondern auch für eine effiziente Logistik sorgen, Platz für Verbraucherinformationen bieten und die Dosierung und Lagerung des Produkts unterstützen. Der Einsatz von recycelten Materialien bietet jedoch einige Herausforderungen: Recycelter Kunststoff kann beispielsweise das Erscheinungsbild der Verpackung beeinträchtigen oder unerwünschte Gerüche aufweisen, die sich mitunter auf das Produkt übertragen. Wir achten also darauf, dass die Qualität des Materials stimmt – allein dadurch steht uns ein geringeres Angebot von Rezyklaten zur Verfügung. Die Aufbereitung der Materialien ist zudem technisch recht anspruchsvoll. Daher sind der Austausch und die Zusammenarbeit mit Verpackungsherstellern und anderen Partnern entlang der Wertschöpfungskette auch so wichtig. So engagiert sich Henkel beispielsweise in der Initiative „New Plastics Economy“ der Ellen MacArthur Foundation und ist Gründungsmitglied des Rezyklat-Forums von dm.

Was muss auf der Seite der Recyclingtechnologien noch getan werden, um künftig Neuware durch noch mehr Regranulat ersetzen zu können?

Es ist wichtig, dass wir branchenübergreifend mit allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. Auch wenn ein Großteil unserer Produktverpackungen bereits Rezyklat enthält, gibt es noch Herausforderungen für uns. Dabei geht es beispielsweise um die Verfügbarkeit an qualitativ hochwertigem Recycling-Material – oder um Themen wie flexible Verpackungen. An diesen Herausforderungen arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern, wie zum Beispiel dem Verpackungshersteller Mondi, dem Kunststoffhersteller Borealis und dem Recyclingtechnologieunternehmen APK.

Stehen Nachhaltigkeit und Premium-Produkte noch im Widerspruch?

Nein, das ist ein Vorurteil. Wir haben sehr hohe Anforderungen an Qualität und unser Produktdesign und machen hier keine Kompromisse, unabhängig vom eingesetzten Material. Wir setzen bei allen ProNature Produkten der Marken Pril, Sidolin, Biff schon heute 100 Prozent PET Rezyklat zur Herstellung der Flaschen ein.

Bis 2025 sollen alle Henkel-Wasch- & Reinigungsmittelverpackungen weltweit recyclingfähig gestaltet sein. Sind Sie bei diesem Ziel im Soll?

Wir haben schon viele Fortschritte erreicht – und bauen nun unser Engagement weiter aus. 2017 haben wir in mehr als 1,2 Milliarden Produkten weltweit Altplastik eingesetzt. Und heute bestehen schon viele Produkte aus 100 Prozent Altplastik wie beispielsweise unsere Reinigungsprodukte aus der Pronature Serie. Dies zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, unsere Ziele zu erreichen.

Quelle: www.verpackungswirtschaft.de

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